Zu DDR-Zeiten war das rote Backsteingebäude in der Andreasstraße ein gefürchteter Ort. Hier inhaftierte das Ministerium für Staatssicherheit (kurz: Stasi) auf zwei Etagen Menschen, die sich der SED-Diktatur nicht beugen wollten. Die üblichen Anschuldigungen waren: Spionage, Sabotage, Untergrundtätigkeit, antidemokratische Hetze. Später, nach dem Mauerbau 1961, kamen vor allem Menschen in Stasi-Untersuchungshaft, die versucht hatten, die DDR in Richtung Westen zu verlassen.

5.523 DDR-Bürger*innen saßen nach unserem derzeitigem Wissensstand in der Erfurter Andreasstraße aus politischen Gründen in Untersuchungshaft – abgeschottet von der Außenwelt und von einem regulären Strafverfahren ausgeschlossen. Ihren Haftalltag bestimmten Verhöre und Isolation, Desorientierung und Ungewissheit. Die meisten Häftlinge wurden nach der Untersuchungshaft zu Freiheitsstrafen verurteilt. Auch im Erd- und Untergeschoss des Gebäudes befanden sich Gefangene – im Gewahrsam der Volkspolizei. Und auch unter ihnen gab es politische Häftlinge, so zum Beispiel Männer, die den Militärdienst verweigert hatten.

Ein Ort der Disziplinierung und Bestrafung war die Andreasstraße nicht erst zu DDR-Zeiten. Seit 1878 wurden in der Andreasstraße Menschen inhaftiert. Zu einem Ort systematischer Unterdrückung politisch Andersdenkender wurde das Gefängnis aber erst während des Nationalsozialismus. Weil sie nicht dem Weltbild der Nazis entsprachen, wurden dort hunderte Frauen und Männer eingesperrt.