Am 4. Dezember 1989 wandelte sich die Andreasstraße von einem Ort der Unterdrückung zu einem Ort der Befreiung. An jenem Tag besetzten mutige Erfurter*innen die Stasi-Zentrale und das Gefängnis in der Andreasstraße. Es war die erste Besetzung dieser Art in der DDR. Danach kam es auch in anderen Städten zu Besetzungen von Stasiverwaltungen.
1. Besetzung einer Stasi-Bezirksverwaltung in der DDR
Die Besetzer*innen holen den Militärstaatsanwalt hinzu, er soll die Forderungen nach Einlass in die Bezirksverwaltung durchsetzen; Thüringer Allgemeine, Foto: Sascha Fromm
Militärstaatsanwalt (r., in Uniform) im Gespräch mit einem Vertreter der Staatssicherheit (l., im Anzug); Gesellschaft für Zeitgeschichte e.V.
viele Aktenordner konnten nur noch leer geborgen werden; Gesellschaft für Zeitgeschichte e.V., Foto: Wolfgang Haase
Suche nach Akten in der Stasi-Bezirksverwaltung; Thüringer Allgemeine, Foto: Sascha Fromm
Zerrissenes Aktenmaterial wurde bei der Besetzung sichergestellt; Gesellschaft für Zeitgeschichte e.V., Foto: Wolfgang Haase
Die Besetzer*innen fanden die Überreste verbrannter Akten im Heizungskeller; Thüringer Allgemeine, Foto: Sascha Fromm
Die erste Besetzung einer Stasi-Bezirksverwaltung fand am 4.12.1989 in Erfurt statt; Foto: Andreas Gießler
Besetzung der Stasi-Bezirksverwaltung mit U-Haftanstalt in der Andreasstraße; Gesellschaft für Zeitgeschichte e.V., Foto: Wolfgang Haase
Generalmajor Josef Schwarz, Leiter der Stasi-Untersuchungshaft, muss sich gegenüber den Besetzer*innen verantworten; Thüringer Allgemeine, Foto: Sascha Fromm
Blockierung des Hintereingangs durch ein Fahrzeug der Verkehrsbetriebe, Foto: Andreas Gießler
Ausschnitt aus dem Kubus der Friedlichen Revolution, die Zeichnungen basieren auf den historischen Fotos; Zeichnung: Simon Schwartz
Die Stasi-Mitarbeiter*innen waren gerade dabei, Beweise für ihre Menschenrechtsverletzungen zu vernichten. Doch die Besetzer*innen retteten, was noch zu retten war, und lagerten die sichergestellten Stasi-Akten in den leeren Gefängniszellen ein. Dies war ein Meilenstein der Friedlichen Revolution und der Beginn der Aufarbeitung der SED-Diktatur in Thüringen. Deshalb hat diese Geschichte heute einen besonderen Platz: auf dem Kubus der Friedlichen Revolution, dem Wahrzeichen unserer Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße. Hierfür wurden historische Bilder von der Potsdamer Agentur freybeuter zu einer Collage zusammengesetzt. Die künstlerische Verfremdung der Collage besorgte der Zeichner Simon Schwartz (Hamburg).