Alexandra Farkas Bandl
Promotionsabschlussstipendium August 2026 – Januar 2027

Forschungsprojekt

Die antizionistische Kampagne in Ungarn 1953

Ausgangspunkt des Dissertationsvorhabens ist eine bislang wenig erforschte Repressionskampagne des Spätstalinismus in Ungarn im Jahr 1953. Betroffen waren mehr als hundert Personen, darunter der Leiter der ungarischen Staatsschutzbehörde Gábor Péter, denen die Zugehörigkeit zu einem angeblichen zionistischen Agentennetzwerk vorgeworfen wurde. Im Mittelpunkt der Dissertation steht die Frage, welche Rolle sowjetische Vorgaben und nationale Handlungsspielräume für die antizionistische Kampagne von 1953 spielten und wie sie das Verhältnis zwischen dem ungarischen Staat und der jüdischen Gemeinschaft prägten.
Die Arbeit analysiert die politischen Entscheidungsprozesse hinter der Kampagne und untersucht, wie die ungarische Parteiführung sowjetische Vorgaben im nationalen Kontext umsetzte, anpasste oder begrenzte. Dabei fragt sie, warum ein antizionistischer Prozess vorbereitet, letztlich jedoch nicht öffentlich durchgeführt wurde. Zugleich untersucht die Dissertation die Auswirkungen der Repressionsmaßnahmen auf die jüdische Gemeinschaft. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Rolle des American Jewish Joint Distribution Committee (JDC), das von den Behörden als Teil eines vermeintlichen westlichen Spionagenetzwerks dargestellt wurde.
Auf Grundlage von Archivquellen aus Ungarn, Deutschland, Israel und den USA leistet die Arbeit einen Beitrag zur Erforschung kommunistischer Diktaturen, ihrer Minderheitenpolitik und der Geschichte jüdischen Lebens im mittleren und östlichen Europa nach der Shoah.

Alexandra Fakas Bandl ist seit Juni 2022 Doktorandin am Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow. Ihr Promotionsvorhaben wird derzeit durch ein Promotionsabschlussstipendium der Stiftung Ettersberg gefördert. Zuvor war sie Stipendiatin des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks (ELES).
2022 absolvierte sie ihr Erstes Staatsexamen in Geschichte, Hispanistik und Bildungswissenschaften an der Universität Leipzig. In ihrer Abschlussarbeit beschäftigte sie sich mit dem Schauprozess gegen László Rajk vor dem Hintergrund der kommunistischen Minderheitenpolitik.
Sie erhielt mehrere Forschungsstipendien, darunter das Fulbright-Germany-Doktorandenprogramm 2025 für Forschungsaufenthalte an der New York University und der Stanford University. Ihre Forschungsaufenthalte führten sie in Archive und Forschungseinrichtungen in den USA, Europa und Israel.


Lukas Bartl
Promotionsabschlussstipendium Oktober 2026 – März 2027

Forschungsprojekt

Deutsch. Demkoratisch. Ruhelos. Gesundheitserzieherische Medien aus der DDR auf der Suche nach Entspannung (1955‒1992)

Der Anstieg von Geräuschen, Schall und Lärm, von Beschleunigung oder auch Veränderungen althergebrachter Tagesrhythmen – kurzum eine in vielerlei Begriffen gefasste Unruhe – gilt womöglich als eines der Kennzeichen der Moderne schlechthin. Wenn dem jedoch so ist, dann muss die menschliche Aktivität des Ruhe Suchens und, im besten Fall, Findens ebenso als ein solches Kennzeichen gelten. Dennoch hat das Phänomen des aktiven Ruhe Herstellens, Suchens und Findens bislang nur wenig Aufmerksamkeit in der historischen Forschung erregt.

Aus einer subjektivierungsorientierten Perspektive will ich mich daher mit Problematisierungen von Unruhe und Praktiken des Ruhe Findens im populären Gesundheitsdiskurs der DDR beschäftigen. Gestützt auf wissenschaftlichen oder populärwissenschaftlichen Gesundheitsmedien steht die Frage im Fokus, inwiefern innere Unruhe ein gesundheitliches Problem in der DDR-Gesundheitsliteratur darstellte. Über vier Jahrzehnte hinweg analysiere ich Artikel aus dem populären Gesundheitsmagazin Deine Gesundheit, Fachjournalen und anderen Aufklärungsmedien in gedruckter und audiovisueller Form. Daneben werden auch Eingaben und Briefe aus der Bevölkerung analysiert, um dem eigen-sinnigen Umgang mit Beunruhigungen und psychosomatischen Belastungen nachzuspüren.

Die Arbeit will aufzeigen, wie in der staatlichen Gesundheitserziehung der DDR Eigenverantwortung und psychologisches Wissen vermittelt wurde und so das Bild einer Gesellschaft jenseits von Stress und Self-Care korrigieren.

Lukas Bartl ist seit Oktober 2023 Doktorand des Internationalen Graduiertenkollegs Resonante Weltbeziehungen in sozio-religiösen Praktiken in Antike und Gegenwart am Max-Weber-Kolleg Erfurt sowie der Karl-Franzens-Universität Graz. Von 2016 bis 2020 absolvierte er an der Universität Passau ein Bachelorstudium in Staatswissenschaften. Im März 2023 schloss er sein Masterstudium in ›Geschichte und Politik des 20. Jahrhunderts‹ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit einer Arbeit über Fitness und Breitensport in der DDR der 1980er Jahre ab, die durch das Honours-Programm der Universität gefördert wurde.
Seine Forschungsinteressen an der Geschichte von Körper, Gesundheit und Sport sowie der Genese neoliberaler Regierungsformen setzen sich in seiner Dissertation fort, die Praktiken der Erholung und Stressbewältigung in der DDR untersucht.